Grundsätzliches zum Vogelfutter:
Beim Vogelfutter scheiden sich die Geister und es gibt die unterschiedlichsten Fütterungsmethoden.
Zum Beispiel werden Papageien und Sittiche im Rest der Welt fast ausschließlich mit Pellets und Extrudaten gefüttert.
Im deutschsprachigen Raum stehen viele dieser Fütterungsmethode reserviert gegenüber und sie findet hier eher langsam Verbreitung.
Wir wollen an dieser Stelle die unterschiedlichen Futtersorten mit ihren Vor- und Nachteilen aufzeigen, am Ende muß jeder selber entscheiden welches Futter für ihn, seine Vögel und die Haltungssituation am besten geeignet ist.
Im Shop sind alle Bestandteile mit genauem Gewicht angegeben und nach Vogelgattungen sortiert, so dass sich jeder das für ihn passende Futter zusammenstellen kann.
Die Saatenmischung
Der Klassiker! In vielen Varianten auf dem Markt und nach wie vor als Hauptfutter der beliebteste Fütterungsbaustein.
Vorteile:
-Kostengünstig
-Lange Haltbarkeit
-Enthülsen beschäftigt die Vögel
-Verdauung der Saaten beansprucht den Muskelmagen
Nachteile:
-unsachgemäße Lagerung oder eine von Dritten gemixte Saatenmischung weist häufig eine hohen Belastung mit Schimelpilzsporen auf.
Keimfutter
Keimfutter ist eine in Wasser eingeweichte und so zum keimen gebrachte Saatenmischung.
Siehe hierzu auch den Beitrag "Keimfutter richtig herstellen"
Vorteile:
-der Keimvorgang senkt den Fettgehalt und erhöht den Vitamingehalt der Saatenmischung.
Nachteile:
-schwierig und aufwendig in der Herstellung.
-bereits nach kurzer Zeit beginnt das Futter zu verderben.
Pellets:
Bei pelletiertem Futter werden unterschiedliche Bestandteile geschrotet und anschließend in Portionen gepresst.
Vorteile:
-Einzelne Bestandteile müssen wie bei der klassischen Saatenmischung vom Muskelmagen verdaut werden.
-Kein Dreck und keine Spelsen bleiben nach dem Füttern übrig.
-die Vögel können nichts "aussortieren"
-keine Belastung mit Schimmelpilzen oder Herbiziden/Pestiziden
-keine Konservierungsstoffe
-optimale Zusammensetzung an Nährstoffen, Spurenelementen, Aminosäuren, Vitaminen und Mineralien.
Nachteile:
-Futteraufnahme bietet keine "Herausforderung"
-wenig Geschmacksunterschiede
-teuer
-Haltbarkeit ist geringer als bei Extrudaten.
Exdrudate
Exdrudate haben eine ähnliche Zusammensetzung wie Pellets sind jedoch bei der Herstellung zu einem feinen Brei verarbeitet und anschließend in kleinen Portionen "gebacken".
Vorteile:
-Kostengünstiger als Pellets
-Kein Dreck und keine Spelsen bleiben nach dem Füttern übrig.
-die Vögel können nichts "aussortieren"
-länger haltbar als Pellets
-keine Belastung mit Schimmelpilzen oder Herbiziden/Pestiziden
-optimale Zusammensetzung an Nährstoffen, Spurenelementen, Aminosäuren, Vitaminen und Mineralien.
Nachteile:
-Extrudate sind durch ihre Herstellungsweise bereits "vorverdaut", was den Muskelmagen der Vögel nicht so beansprucht wie gröberes Futter.
-Futteraufnahme bietet keine "Herausforderung"
-keine Geschmacksunterschiede
Snacks
Sie sind wichtig da sie für Abwechslung und Beschäftigung sorgen, sollten aber nur gelegentlich und nicht in großen Mengen gefüttert werden!
Unser Fütterungstip:
Wer wenig Zeit hat und den Aufwand für die Fütterung und Reinigung so gering wie möglich halten möchte, sollte Pellets sowie Obst und Gemüse füttern.
Wir besuchten 2008 die nicht öffentliche Zuchtstation des San Diego Zoo in Kalifornien.
Die dort gezüchteten, vom Aussterben bedrohten Papageien und Sittiche werden seit Jahren ausschließlich mit Harrison Pellets gefüttert und sind in einer tadellosen Verfassung.
Für alle gilt: Futter muß möglichst kühl und trocken gelagert werden!
Zweimal die Woche bieten wir pro Vogel einen Teelöffel Eifutter an.
Permanent zur Verfügung steht Vogelgrit mit Holzkohlestückchen (wichtig für die Verdauung) sowie ein Mineralblock.
Die im Supermarkt angebotenen "Körneralleinfutter" Mischungen halten wir als "Alleinfutter" für ungeeignet. Häufig sind sie zu fett und die Ernährung einseitig.
In pelletiertem Futter sind alle wichtigen Inhaltsstoffe vorhanden. Der Vogel kann also nicht das was ihm nicht passt einfach rausschmeißen.
Das ausschließliche füttern von pelletiertem Futter praktizieren wir nicht, da das Enthülsen der Körner zu den natürlichen Verhaltensweisen der Vögel gehört und sie zusätzlich beschäftigt.
Ein Pelletanteil (preisbewußte Halter können hier auch Extrudate statt Pellets beimischen) von
-ca20% (bei Prachtfinken, Wellensittichen und anderen Kleinsittichen)
-ca.30% (bei Zwergpapageien, Nymphensittichen und anderen Großsittichen)
-bis 50 % (bei Papageien ab 30cm)
zur Saatenmischung halten wir für die beste Dosierung.
Keimfutter füttern wir nicht wegen der zu schnellen Verderblichkeit.
Ebenso verzichten wir auf Vitamin- und Mineralpulver da hier unserer Erfahrung nach die Gefahr der Überdosierung zu groß ist.
Zucht:
Im Frühjahr, etwa ab April, beginnen bei uns in der Natur die Bäume auszuschlagen, auch in ihren Heimatländern wird das Nahrungsangebot der Vögel breiter. Das stimuliert mit den länger werdenden Tagen den Bruttrieb.
Ab diesem Zeitpunkt ändern wir den Pelletanteil von Haltungs- in Zuchtfutter und geben einmal in der Woche pro Vogel einen Teelöffel Eifutter (bei Papageien ab 30cm 2 Teelöffel)
Sobald das erste Ei im Nistkasten liegt, bieten wir täglich Eifutter an, da ab diesem Zeitpunkt ein höherer Eiweißbedarf herrscht.
Sobald die Jungvögel futterfest sind, wieder auf 1 bis 2 mal wöchentlich Eifutter umstellen, da sonst Verfettungsgefahr besteht!
Unser Tip:
Obst und Gemüse immer ausreichend anbieten, Trockenfutter (Extrudate/Pellets und/oder Körner) erst wieder auffüllen wenn alles weitgehend ausgefressen ist (erfahrungsgemäß werden die Pellets immer erst zum schluß gefressen).
Unsere Kinder würden wenn man ihnen Schokolade und Spinat hinstellt auch nur die Schokolade essen, anders verhält es sich bei Vögeln auch nicht.
Bei Obst und Gemüse bieten wir Äpfel, Karotte, Rote Bete, Banane und auf der Fensterbank gezüchtete Vogelmiere an. Zusätzlich immer das Obst und Gemüse der Saison das im Supermarkt gerade günstig ist.
Wälder, Wiesen, und in Städten größere Parkanlagen haben fast das ganze Jahr über ein reiches Angebot an Grünfutterpflanzen anzubieten. Daher haben wir bei Spaziergängen immer ein Taschenmesser und eine kleine Plastiktüte mit, in der Heckenrose, Vogelbeere, Löwenzahn und co. verstaut werden (wegen der hohen Schadstoffbelastung möglichst nicht direkt an viel befahrenen Straßen sammeln).
Sollten ihre Vögel einige Grünfutterpflanzen verschmähen, kann das auch damit zusammenhängen das sie sie vom Vorbesitzer nicht kennen.
Wir haben bei einem Paar Rotbauchsittiche über mehrere Wochen Löwenzahn angeboten der nicht beachtet wurde. Mittlerweile hat er sich aber wie bei den meisten anderen zu einem der liebsten Grünfutterpflanzen entwickelt.